Fassadenverkleidungen von Ihrer Spenglerei Rath & Rath in Graz für die gesamte Steiermark

Entwicklungsgeschichte

Die Entwicklungsgeschichte von Fassadenverblechungen lässt sich mit dem vermehrten Aufkommen von Gesimsen und dem Bedürfnis, diese zu schützen, vor allem im 19. Jh. im besonderen Maße verfolgen. Ursprünglich nahmen die Mauer-Ziergesimse mit ihrem prägenden Erscheinungsbild bereits in der Renaissance1.) ihren Ursprung, mussten jedoch in dem Ursprungsland Italien auf Grund klimatisch bedingter Witterungsumstände nicht geschützt werden (Abb. 1). Mit dem Aufkommen von italienischen Baumeistern und deren Architektur in Graz kam diesem Baustil eine besondere Bedeutung zu. Die Barock- und Biedermeier-Architektur setzte diesen Trend zu reich gegliederten Gesimsen fort und dieser fand schließlich im Historismus des 19. Jh. seinen Höhepunkt. Zahlreiche Fenstergliederungen, Kordongesimse, Hauptkranzgesimse und Attiken unterschiedlicher Stilrichtungen fanden in der Epoche des Stilpluralismus ihre handwerkliche Bedeutung und schmückten das Erscheinungsbild der Fassaden des Großbürgertums. Es war vor allem die Aufgabe der Maurer, diese Gesimse mit verzierten Profilierungen (Abb. 2.) zu gestalten, und die handwerkliche Aufgabe des Bauspenglers, diese durch Verblechungen zu schützen. So kamen die Abdeckungen in der Renaissance, noch aus Kupfer oder Blei, nur bei sakralen und gehobenen profanen Architekturen zur Anwendung, waren jedoch auf Grund des hohen Materialwertes finanziell kaum erschwinglich. Erst mit dem Aufkommen von Zinkblech Ende des 19. Jh. wurden die Gesimse permanent abgedeckt und die Verblechungen erfreuten sich vor allem durch eine gute Verarbeitung und einen guten Wetterschutz großer Beliebtheit.


Anwendung und Restaurierung

Gesimsverblechungen, Fenstersohlbänke, Attikaverblechungenn

Gesimsabdeckungen, Fenstersohlbänke und Attiken dienen der Verwahrung von Gesimsen und Mauern, wie sie bei Baustilen früherer Epochen häufig als Fassadengliederungsmittel benutzt wurden. Diese bzw. deren Sanierung sind Gegenstand der Denkmalpflege. Ein häufiges Problem der Denkmalpflege ist die sachgerechte, originalgetreue und wirtschaftliche Wiederherstellung von Gesimsabdeckungen. In Österreich z.B. wurden unter der Federführung des Bundesdenkmalamtes Lösungen entwickelt, die den genannten und häufigen widersprüchlichen Ansprüchen entgegenkommen.

Erscheinungsbild – Materialzuordnung

Bei Sanierungen von Gesimsverblechungen soll das Material (Kupfer- oder Zinkblech) der jeweiligen Kunstepoche angepasst werden. Im Allgemeinen kommt das Kupferblech nur bei sakralen oder äußerst repräsentativen Bauten zur Anwendung, dagegen werden die Gesimse historischer Fassaden, welche im überwiegenden Maße die Straßenzüge von Graz prägen, mit Zinkblech abgedeckt. Die Verarbeitung von verzinkten Stahlblechen an Gesimsen oder Mauerabdeckungen ist zulässig, sollte jedoch auf Grund von begrenzter Haltbarkeit nicht zur Anwendung kommen (die Haltbarkeit der Verblechungen sollte der Haltbarkeit der Fassade entsprechen!). Die Materialwahl sollte daraus resultierend in jedem Fall den klimatischen Bedingungen entsprechen und dem historischen Bestand angepasst sein. Eine besondere Bedeutung kommt dem Erscheinungsbild der Fassadenfluchten zu (Abb. 3), dieses wird vor allem durch seine Gesimsfluchten geprägt, d.h. sämtliche Eckausbildungen und Rücksprünge müssen dem Mauergesimse angepasst sein und parallel verlaufen. Ein Überspringen von Gesimsrücksprüngen würde das historische, erlebbare, überlieferte Erscheinungsbild einer Fassade negativ verändern und ist deshalb unter dem Gesichtspunkt einer altstadtgerechten Sanierung nicht zulässig.2.)

Hinweis für Zinkbleche
Die Einzellängen sollen maximal 3 Meter betragen, die Metalldicke mindestens 0,7 Millimeter.

Befestigung

Eine dem historischen Erscheinungsbild entsprechende und wünschenswerte Befestigung unter dem Gesichtspunkt einer originalgetreuen Nachbildung stellt die Befestigung mit Mauerhaken (Abb. 4) mit ummantelnder Zinkeinfassung dar, welche in das Mauerwerk geschlagen bzw. verankert und mit der Gesimsabdeckung durch ein Weichlot verbunden bzw. ausgeführt werden. In den 60er und 70er Jahren des 20. Jh. nahm in Österreich die Befestigungstechnik mit Splinten immer mehr an Beliebtheit zu. Eine weitere Variante stellt die Befestigung mit einer Drahtschlaufe dar (Abb. 5). Diese werden mit einem Hauerbuckel abgedeckt und mit der Gesimsabdeckung durch ein Weichlot verbunden und müssen im Abstand von ca. 30 cm an hergestellten Schlitzen im Gesimse mit Drahtstiften oder geeignetem Befestigungsmaterial am Mauerwerk befestigt und eingeputzt werden. Alternativ dazu kann die Befestigung auch – wie vor allem in Deutschland üblich – mit Haftstreifen erfolgen. Bei Untergründen, die eine Bohrbeanspruchung und damit auch eine Befestigung von Splinten oder Haftstreifen nicht mehr zulassen, muss auf einen Bitumenkleber zurückgegriffen werden. Diese Befestigungsmethode hat sich auch unabhängig von den genannten Zwängen als sehr effizient erwiesen. Für die Befestigung am Wandanschluss stehen unterschiedliche Details zur Verfügung, je nach zu erwartender Witterungsbeanspruchung und örtlicher Tradition: Mauerhakenbefestigung in einfacher Aufkantung, 10 mm überputzt mit Kellenschnitt. Verwahrung und Verschraubung in einem Haftstreifen, der gleichzeitig eine Putzkante darstellt. Aufkantung mit Wasserfalz und klassischer Verwahrung. Bei der ersten Lösung, welche vor allem in vielen Fällen der originalgetreuen Erscheinung am nächsten kommt, ist ein höheres Aufkantmaß wegen der mangelnden Putzhaftung nicht möglich. Daher sollte dieses Detail in stark von Schlagregen betroffenen Gegenden nicht ausgeführt werden. Die aufgeführten Befestigungsvarianten sind in Hinblick auf Verwahrung und Fläche/Vorderkante untereinander beliebig kombinierbar.

Bewegung

Bei der Verlegung von Zinkblechen ist vor allem auf eine erforderliche Dehnung zu achten. Dehnungsausgleicher müssen durch Fälze oder Dehnungselemente zur Anwendung kommen. Diese richten sich nach den Längen und der Zuschnittsbreite und sind unbedingt zu beachten, da durch klimatisch bedingte große Temperaturunterschiede, speziell an exponierten Sonnenseiten durch die Sonneneinstrahlung, eine massive Erwärmung des Bleches zu Rissen führen könnte. Bei eingeputzten Gesimsen beträgt der Bewegungsabstand 3 Meter (von Ecken und Enden die Hälfte) und wird durch unterdeckende und damit optisch kaum wahrnehmbare Schiebenähte oder RHEINZINK-UDS-Verbinder kostengünstig gewährleistet. Bei allen anderen Gesimsen gelten die Bewegungsabstände wie für Mauerabdeckungen. Kommen Bitumenkleber zum Einsatz, werden die Schiebenähte mit RHEINZINK-UDS-Verbindern oder Unterlagblechen im Stoßbereich ausgebildet.


Neigung

Vor allem bei Wandverwahrungen mit geringer Aufkantung oder Wasserfalz beträgt die empfohlene Querneigung der Gesimsabdeckungen >/- 3°.


Überstand

Der Überstand der Metallabdeckung soll eine Tropfkante bzw. Wulst mit mindestens 20 mm Abstand zum Gesims haben. Im Sanierungsfall allerdings ist dieses Maß auf Grund der häufig vorzufindenden Bautoleranzen lediglich als Mittelwert anzusehen.

Hinweis
Werden die Oberseiten der Gesimse (sog. Röschen) im Zuge der Sanierung mit einem neuen Putz versehen (geglättet), so wird wegen der meistens im Putz enthaltenen Zusatzstoffe (z.B. Frostschutz etc.) dringend die Verwendung einer geeigneten Trennlage empfohlen. Diese ist nur dann nicht erforderlich, wenn die Befestigung durch einen Bitumenkleber erfolgt, der bereits seinerseits eine Trennung darstellt. Befestigungen wie Spengler-Dichtschrauben oder sonstige direkte Befestigungen stellen langfristig keine qualitative Lösung dar, da diese durch die Sonneneinwirkung aus den Verankerungen gezogen werden.3.) Während der Sanierungsarbeiten am Verputz ist ein ausreichender Schutz durch eine Folie zu empfehlen, um Verfärbungen durch Verputz und sonstige Zusatzmittel entgegenzuwirken. 


Färbung von Blechen – Altstadterhaltung oder künstliches Altern?

Die Färbung von Blechen, im Speziellen von Kupferblechen an der Schauseite von historischen Fassaden, im Sinne einer altstadtgerechten Sanierung ist ein viel diskutiertes Thema, welches häufig widersprüchlichen Anforderungen entgegensteht. Gehen wir von der Lehre des Kunsthistorikers und Vorreiters der Denkmalpflege Alois Riegl aus, dessen Schriften zur Denkmalpflege noch immer nachhaltig bis in das 21. Jh. wirken. Riegl äußerst in Bezug auf historische Bausubstanz, dass „... auf Anspruch des natürlichen Alterns nicht entzogen werden dürfe“.4.) „Wie alle speziellen Arbeiten setzt auch das chemische Färben eine gewisse Übung, Erfahrung und Fingerspitzengefühl voraus, um später den gewünschten Effekt zu erreichen.“5.) 

Blau-Grünfärbung von Kupferblechen: Hierzu wird eine Lösung aus Kupfer(II)nitrat und 20 g Natriumchlorid in 100 ml Wasser für die Färbung gemischt.

Hellgrünfärbung: Mit einer Lösung aus 250 g Ammoniumchlorid und 250 g Ammoniumkarbonat in 1000 ml Wasser wird eine hellgrüne Färbung erreicht. 

Braunfärbung: Mit einer Lösung aus 10 g Schwefelleber in 1000 ml heißem Wasser wird ein hellbrauner Farbton, bei Erhöhung auf 25 g Schwefelleber wird ein intensiv dunkelbrauner Farbton erreicht. Zu beachten ist, dass die Schwefelleber frisch und nicht zu alt sein darf, da sich sonst der gewünschte Effekt nicht einstellt. 

Geschützt können diese Färbungen bei Bedarf zusätzlich mit einem geeigneten, klaren, wetterfesten Seidenglanzlack werden.6.)

Ihr
Spenglermeister und Dachdeckermeister


Günther Rath



Anmerkungen:
1.) Paladio, Sämtliche Bauwerke, Paolo Marton, Manfred Wundram – Thomas Pape, Köln, 2004, S. 55 ff.
2.) Vgl. Das historische Dach, Entwicklungsgeschichte, Integration, Restaurierung. Graz 2004, S. 177.
3.) Rheinzink, Anwendung in der Architektur, 2. aktualisierte Auflage, Dortmund 2000, S. 220 ff.
4.) Vgl. Kunstwerk oder Denkmal? Alois Riegls Schriften zur Denkmalpflege. Hrsg. v. Ernst Bacher, Wien - Köln - Weimar 1995 (= Studien zu Denkmalschutz und Denkmalpflege. Hrsg. vom Bundesdenkmalamt Wien , 15), S. 80 ff.
5.) Helmut Kocher, Beitrag zum Spengler Fachjournal, Das Journal der Steirischen Landesinnung für Österreichs Spengler und Kupferschmiede, Graz, 2007.
6.) Vgl. Das Journal der Steirischen Landesinnung für Österreichs Spengler und Kupferschmiede, Graz, 2007.


Literatur:
Rath G., 2004, Das historische Dach, Entwicklungsgeschichte, Integration, Restaurierung, am Beispiel Graz
Bacher E.,1995, Kunstwerk oder Denkmal? Alois Riegls Schriften zur Denkmalpflege, Wien - Köln - Weimar, Studien zu Denkmalschutz und Denkmalpflege. Hrsg. vom Bundesdenkmalamt, Wien
Rheinzink, 2000, Anwendung in der Architektur, 2. Auflage, Essen
Spengler Fachjournal, 2007, Das Journal der Steirischen Landesinnung für Österreichs Spengler und Kupferschmiede, Graz

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